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Irian Jaya wurde 1963 ohne größere Konsultationen nach einem Uno Beschluss in die indonesische Nation integriert.
Obwohl es 1969 eine Volksbefragung zur Integration gab, kann dies kaum als Zustimmung durch die lokale Bevölkerung gewertet werden, da nur ein ausgewählter "repräsentativer" Teil der Bevölkerung abstimmen durfte und das Militär massiven Druck ausübte. Verhaftungen, Folterungen und Einschüchterungen waren an der Tagesordnung.
Einige Papua flohen über die Grenze zu Neu-Guinea und bildeten Guerilla-artige Widerstandsgruppen, die als OPM (Bewegung Freies Papua) bekannt wurden.
Sie waren allerdings schlecht bewaffnet und verfügten nur über Pfeil und Bogen bzw. über Gewehre aus dem 1. Weltkrieg.
Ein erster Angriff, der durch die Volksgruppe der Arfak ausging, wurde 1965 ausgeführt und löste eine Rebellion aus, die blutig niedergeschlagen wurde. 2.000 Papua starben bei der Niederschlagung.
Als das Militär seine Präsenz während des "Act of free choice" verstärkte und in vielen Regionen repressive Maßnahmen einleitete, bildeten sich viele weitere Widerstandsgruppen und es kam zu vielen kleineren Aufständen in ganz Papua.
Auch wenn die OPM schlecht ausgerüstet, zahlenmäßig in der Minderheit, zerstritten und schlecht organisiert war, so wurde sie doch zu einem Symbol für den Unabhängigkeitskampf.
In den folgenden Jahren nach 1969 wurden zahlreiche militärische Operationen durch das indonesische Militär ausgeführt um auch kleinste Widerstände zu ahnden.
Indonesien unternahm keine ernsthaften Versuche Papua mit seiner Kultur zu integrieren, stattdessen wurde auf militärische Einschüchterung und gezielte Einwanderung gesetzt.
Im Jahr 1977 schreckte das Militär nicht davor zurück auf Dörfer der aufständischen Bevölkerungsgruppe der Dani Napalm abzuwerfen. Ein ganzes Gebiet, in dem sich Menschen aufgelehnt hatten wurde durch Militärflugzeuge unter massiven Beschuss genommen.
Als die Bewohner des Gebietes darauf eine nahe gelegene Pipeline des amerikanischen Unternehmens Freeport-Mc Moran sabotierten wurde die Angriffe sogar noch brutaler.
Die folgenden Operationen während der 80er Jahre waren zwar im Ausmaß geringer und fanden meist im Gebiet von Jayapura und entlang der Grenze zu Neu-Guinea statt, jedoch führten sie dazu, dass ca. 11.000 Menschen (laut Amnesty International) über die Grenze nach Neu-Guinea flohen, nachdem 1984 ein weiterer Aufstand gegen Indonesien gescheitert war und viele Zivilisten unter Menschenrechtsverletzungen gelitten hatten.
Als sich in den 90ern die Berichte über Menschenrechtsverletzungen in Papua häuften nahmen die Militäroperationen zwar ab, jedoch waren willkürliche Verhaftungen, Folter und gezielte Erschießungen weiterhin an der Tagesordnung.
Auch kam es in vielen Regionen zwischen 1994-1998 während Demonstrationen zu Verhaftungen und Folter.
Im März 1996 eröffneten Einheiten der ABRI (indonesisches Militär) das Feuer auf Aufständische in der Region Timika. Einige Tage später wurden hunderte Menschen in Abepura nahe Jayapura verhaftet.
Während der darauf folgenden Militäroperation wurden weitere Menschen getötet und Häuser, als auch Kirchen verbrannt. Es kam zu massiven Menschenrechtsverletzungen.
Steuereinnahmen aus der Region kamen den Bewohnern Papuas kaum zugute. Ein Grossteil floss in die Administration und in Transmigration.
Nur ein geringer Teil wurde für Bildungsmaßnahmen eingesetzt, die allerdings fast nur darauf ausgerichtet waren die Ideologie des indonesischen Nationalstaats zu verbreiten. Sprachunterricht wurde nur in indonesisch gehalten. Lokale Sprachen wurden nicht gelehrt.
Der Lehrplan war ansonsten wie in allen anderen Teilen Indonesiens und war vor allem auf javanische Bedürfnisse ausgelegt und berücksichtigte nicht die besondere Situation Papuas. Die Folge war, dass viele Bewohner Papuas nicht über der Grundschule hinaus kamen.
Der Zugang zu Universitäten wurde durch die wenig auf Papua abgestimmten nationalen Examen stark erschwert.
Nur wenige Papua schafften es an die bekannteste Universität von Irian Jaya (Cendrawasih)
Während es den Papua verwehrt wurde ihre eigene Kultur auszuleben wurden sie mit den Symbolen des indonesischen Nationalismus gefüttert. Wenn Papua sich in Ihrer eigenen Kultur ausdrückten hatte dies Repressionen zur Folge, da dieses als Ausdruck eines gegen Indonesien gerichteten Nationalismus angesehen wurde.
Bildungsmaßnahmen durch die indonesische Regierung waren allein auf die Integration Papuas in Indonesien ausgerichtet. Dabei wurde wenig auf die kulturellen Eigenheiten der Bevölkerung Rücksicht genommen.
Jegliche kulturelle Äußerung durch die Bewohner Papuas wurde als verdächtig und als Angriff gegen den indonesischen Nationalstaat angesehen.
Indonesien schlüpfte in die Rolle einer neuen Kolonialmacht. Sämtliche Ressourcen wurden durch ausländische Konzerne abgebaut und dienten zur Bereicherung der Regierungselite. Die lokale Bevölkerung profitierte in keiner Wiese von den eigenen Ressourcen.
Der Zuzug von Bewohnern anderer Teilen Indonesiens nahm stark zu. zwischen 1979 und 1989 sollen ca. 70.000-150.000 neue Bewohner im Zuge von Transmigrationsmaßnahmen und natürlicher Migration nach Papua geströmt sein.
Bei den nur 1.2 Bewohner Papuas ist die natürlich ein nicht wenig. Das Regierungsziel lag sogar bei 1.7 Mio. Transmigranten. Dies hätte die Papua zur Minderheit in ihrer eigenen Region gemacht.
Bis zum Jahr 2000 war die Bevölkerung bereits auf 2.6 Millionen angewachsen und die ursprünglichen Bewohner Papuas bildeten nur einen Anteil von 1.6 Millionen.
Während die Zahl der Migranten stark zunahm stagnierte ihre Anzahl, größtenteils lag dies an der schlechten Gesundheitsversorgung und hohen Kindersterblichkeit.
Hinzu kam noch, dass Transmigranten viel leichter und schneller Zugang zu Lang, Jobs und Ressourcen erhielten.
Während die Regierung viel Geld in die Kultivierung von Reis steckte, erhielt der aus Papua beheimatete Anbau von Sago keinerlei Förderung.
Auch in der Fischerei wurden die Papua verdrängt, da die zugezogenen über weitaus fortgeschrittenere Technik verfügten und sie somit keine Chance im Wettbewerb hatten.
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Quellen:
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